Geschichte

Nach 50 Jahren auf der Zielgeraden

Am 18. Mai 2014 stimmten die Küsnachter an der Urne über den Projektierungskredit für die «Zentrumsentwicklung» ab. Damit kann ein Vorhaben bis zur Baureife entwickelt werden, über das in Küsnacht seit mehr als 50 Jahren diskutiert wird.

An Ideen und Projekten, wie das heutige Areal Parkplatz Zürichstrasse am besten zu nutzen sei, mangelt es in der jüngeren Geschichte Küsnachts nicht. Das zeigt beispielsweise ein Blick in das Küsnachter Jahrheft 1963: «Dass sich das altvertraute Dorfbild und Dorfzentrum ändern will, zeigte das Auftauchen eines Grossbauprojektes gegen Jahresende. An der Gemeindeversammlung nahmen die Stimmbürger in offener Abstimmung zum Antrag des Gemeinderates Stellung, wonach die Architekten Rud. Joss und W. Niehus sowie Ing. P. Soutter beauftragt werden, für eine neue Bahnhofanlage mit teilweiser Überdachung der Geleise, Errichtung einer Parkgarage, von Parkplätzen, eines Ladenzentrums, von Bahnhofzugängen von der Bergseite her und eventuell eines Saalbaus mit Restaurationsbetrieb ein Vorprojekt mit Kostenschätzung zu erarbeiten». Tatsächlich bewilligt die Dezember-Gemeindeversammlung 1962 einen Projektierungskredit von 80'000 Franken, um das beschriebene Projekt ausarbeiten zu lassen.

Ein neues Zentrum in vier Etappen

1964 liegt das Projekt vor. 18.2 Millionen Franken werden für dessen Bau veranschlagt und wäre es verwirklicht worden, würde man heute nicht über die bauliche Neugestaltung des Zentrums diskutieren. Denn dann würde ausgehend vom Bahnhofsgebäude ein Einkaufs- und Ladenzentrum die Szenerie beherrschen. Dieses Zentrum würde die Geleise überdecken und auf der Höhe des heutigen Parkplatz-Areals «Zürichstrasse» seinen Abschluss finden. 1964 will man dieses Grossprojekt in vier Etappen umsetzen. Tatsächlich aber bleibt es in den Anfängen stecken. Denn gebaut werden nur die Unterführung Oberwachtstrasse, die verschiedenen Fussgängerunterführungen sowie ein neues Bahnhofsgebäude. Bei letzterem sind zwar die SBB die Bauherren, jedoch beteiligt sich die Gemeinde an den Baukosten.

Grossprojekte im Gegenwind

Dann kehrt der Wind. Grossprojekte wie das geplante Einkaufs- und Ladenzentrum, stossen in der Bevölkerung auf wachsende Skepsis. Denn Küsnacht verändert sich rasch und tiefgreifend vom stattlichen Rebbauerndorf in eine wohlhabende Vorortsgemeinde. Viele das Dorfbild prägende Gebäude müssen Neubauten weichen, deren Architektur nicht immer zu überzeugen vermag. Die bauliche Entwicklung Küsnachts bereitet vielen Küsnachtern Sorgen. 1972 lanciert der Gemeinderat deshalb eine Gesamtplanung, in die auch die Bevölkerung aktiv einbezogen wird. Der Planungsprozess zeigt, «dass die Bevölkerung in ihrer grossen Mehrheit dafür ist, Küsnacht weiterhin ein Dorf sein zu lassen, und zwar unter Beibehaltung der heutigen Strukturen (Küsnachter Jahrheft 1976). Noch bevor die Gesamtplanung beginnt, erhält das Areal Parkplatz «Zürichstrasse» allerdings sein heutiges Gesicht. Ursprünglich erstreckt sich auf dieser Fläche eine Wiese mit Obstbäumen, auf der nicht selten Schafe weiden. Diese Wiese muss bereits in den 1960er-Jahren dem heutigen Parkplatz weichen – quasi als Vorbote des geplanten Ladenzentrums. Der Parkplatz ist als Provisorium gedacht, welches mittlerweile seit gut  50 Jahren Bestand hat. Das Ladenzentrum aber wird nie realisiert. Durch die Gesamtplanung wird dessen Bau zuerst verzögert, schliesslich verläuft das Vorhaben im Sand. Andere Projekte haben Priorität: Die Aufwertung der Dorfstrasse, der Bau des Gemeindehauses und manches mehr. Immer wieder entstehen aber Ideen, wie das Parkplatz-Areal sinnvoll zu nutzen sei. Keine dieser Ideen jedoch wird zu einem Projekt verdichtet. Das ändert erst im 21. Jahrhundert, als die Gestaltungspläne «Dorfterrasse» und «Bahnhof» ausgearbeitet, von der Gemeindeversammlung im Dezember 2007 nach intensiver Diskussion jedoch verworfen werden.

Neustart mit der Bevölkerung

Das Scheitern dieser Ansätze bildet die Ausgangslage für das vorliegende Projekt. Der Gemeinderat bindet nun in einem breit angelegten Mitwirkungsverfahren die Bevölkerung aktiv in die Zentrumsplanung ein. Sowohl die im Mitwirkungsverfahren formulierten Anliegen wie auch die bei der Jurierung des offenen, zweistufigen Projektwettbewerbes abgegebenen Kommentare fliessen in die Planungsarbeiten ein. Sie werden sichtbar im vorliegenden Projekt «Schulze und Schultze» mit einem Gebäude für Kultur und Familien, einem Gebäude für Gewerbe und Wohnungen sowie einem schön gestalteten Platz, der zum Verweilen einlädt.

2008: Von der Spur- zur Steuerungsgruppe

Um die «Zentrumsentwicklung» sorgfältig und im Sinne der Bevölkerung planen zu können, setzte der Gemeinderat 2008 eine Spurgruppe ein. Aus dieser erwächst später die Steuerungsgruppe. Die Spurgruppe sondiert, in welche Richtung sich ein neues Projekt bewegen müsste, um eine Mehrheit der Küsnachterinnen und Küsnachter zu gewinnen. Bis heute begleitet die Steuerungsgruppe die Neugestaltung des Zentrums intensiv. Sie berät den Gemeinderat und stellt sicher, dass die verschiedenen Anliegen der Bevölkerung im Projekt ihren Niederschlag finden.

2009/2010: Öffentliches Mitwirkungsverfahren

Im März 2009 bewilligt die Gemeindeversammlung den Kredit für die Durchführung eines öffentlichen Mitwirkungsverfahrens. Zwischen September 2009 und Juli 2010 finden sechs Workshops, eine Start- und eine Schlussveranstaltung mit jeweils 80 bis 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt, die sich mit den Zielen und weiteren Aspekten der Zentrumsentwicklung auseinandersetzen. Die von der Bevölkerung erarbeiteten Empfehlungen zur Gestaltung des Dorfkerns werden Mitte 2010 dem Gemeinderat übergeben.

2011/2012: Zweistufiger Projektwettbewerb

Um die beste Lösung für die Neugestaltung des Zentrums zu finden, veranstaltet die Gemeinde Küsnacht einen zweistufigen ProjektwettbewerbEine Jury, zusammengesetzt aus ausgewählten Fachkräften und Vertretern der Steuerungsgruppe, bestimmt aus den 30 eingereichten Vorschlägen das Siegerprojekt. Das Projekt «Schulze und Schultze» der Zürcher Arbeitsgemeinschaft Raumbureau und urbaNplus vermag die Jury am besten zu überzeugen. Die Jurierung wird öffentlich durchgeführt, und die Resultate können kommentiert werden. Die abgegebenen Kommentare fliessen in die Erarbeitung des Richtprojekts ein.

17. Juni 2012: Urnenabstimmung Zentrumsentwicklung/Teilprojekt Verkehr

Am 17. Juni 2012 legt die Küsnachter Stimmbevölkerung die Leitplanken für das Teilprojekt Verkehr. Sie genehmigt dafür einen Kredit von CHF 4'800’000 (wovon 2'800’000 zulasten der Gemeinde Küsnacht). Der Antrag für eine Tunnellösung wird bei dieser Gelegenheit verworfen.

30. Januar 2013: Optimiertes Richtprojekt

Mitte 2012 erteilt der Gemeinderat der ARGE Raumbureau und urbaNplus den Auftrag, das Richtprojekt aufgrund der Anregungen aus der Bevölkerung, den Empfehlungen der Jury sowie den Anliegen künftiger Nutzer und Anrainer, der SBB und der Gemeinde zu optimieren. Am 30. Januar 2013 legt das Architektenteam das entsprechende Richtprojekt vor, das als Grundlage für die Ausarbeitung des Privaten Gestaltungsplanes «Zentrumsentwicklung» dient.

23. September 2013: Genehmigung Gestaltungsplan

Am 23. September 2013 genehmigt die Gemeindeversammlung mit grosser Mehrheit den Privaten Gestaltungsplan «Zentrumsentwicklung». Damit werden die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau des Richtplanprojekts geschaffen.

18. Mai 2014: Genehmigung Projektierungskredit

Die Küsnachter und Küsnachterinnen genehmigen den Projektierungskredit, dank dem das Projekt bis zur Baureife ausgearbeitet werden kann.

22. Juni 2015: Genehmigung Projektierungskredit Parkdeck

Der Souverän genehmigt an der Gemeindeversammlung vom 22. Juni 2015 einen Projektierungskredit für ein weiteres Projekt über 420'000 Franken zur Planung eines «Parkdecks» auf dem Areal Zürichstrasse. Somit besteht für die Gemeinde der Auftrag, beide Projekte bis zur Baureife zu planen.

Am 12. Februar 2017 findet die Urnenabstimmung über die beiden Baukredite «Zentrumsentwicklung» und «Parkdeck» statt. Bei Zustimmung zu beiden Krediten wird das zu realisierende Bauprojekt mittels Stichentscheid bestimmt.

12. Februar 2017: Urnenabstimmung über den Baukredit

Am 12. Februar 2017 findet die Urnenabstimmung über die beiden Baukredite «Zentrumsentwicklung» und «Parkdeck» statt. Bei Zustimmung zu beiden Krediten wird das zu realisierende Bauprojekt mittels Stichentscheid bestimmt.