Interview Peter Ess

„Die grösste Herausforderung ist es, ein Projekt zu finden, das von allen Küsnachterinnen und Küsnachter getragen wird.“

Das Küsnachter Dorfzentrum soll belebter, sicherer und attraktiver werden. Deshalb läuft zurzeit ein offener Wettbewerb, in welchem Architekten ihre Vorschläge für ein neues Zentrum einreichen konnten. Das Ziel ist es, mit dem zweistufigen Projektwettbewerb ein Projekt zu finden, dass sich umsetzten lässt und den Anliegen der Küsnachter Bevölkerung gerecht wird. Am letzten Dienstag und Mittwoch hat nun die Jurierung der ersten Phase des Projektwettbewerbs stattgefunden. Von den 30 eingereichten Wettbewerbsarbeiten wurden zehn zur weiteren Vertiefung ausgewählt. Peter Ess, Fachpreisrichter und Moderator der Jury erklärt, warum gerade diese 10 Vorschläge den Sprung in die nächste Runde geschafft haben und worauf die Jury bei der Auswahl der Projekte besonders achtete.

A. Herr Ess, wie zufrieden ist die Jury mit den eingereichten Wettbewerbsarbeiten?

Wir sind sehr zufrieden. Es ist den Teilnehmern gelungen, die Aufgabe zu lösen. Zudem wurden vielfältige Projekte eingereicht. Die Wettbewerbsteilnehmer haben die Anliegen der Bevölkerung aus dem Mitwirkungsverfahren aufgenommen und architektonisch interpretiert. So beinhalten die Gestaltungsvorschläge teilweise mehrere Plätze von unterschiedlicher Grösse. Bei der gestalterischen Umsetzung ist das Know-how der Architekten entscheidend. Sie wissen beispielsweise, dass auf einem grossen Platz oft keine Stimmung aufkommt, da sich Menschen darin verloren vorkommen. Insgesamt haben 39 Architekturbüros an der Ausschreibung teilgenommen, wovon 30 Arbeiten eingereicht wurden. Das ist sehr erfreulich, denn normalerweise werden lediglich ein Drittel oder die Hälfte der angemeldeten Projekte eingereicht.

B. Warum ist die Quote der eingereichten Arbeiten bei dieser Ausschreibung so hoch?

Ein Ortsbild weiterzuentwickeln und neu zu prägen ist eine spannende Aufgabe für Architekten. Die Chance dazu bekommt man leider nicht all zu oft. Zudem wurde die Aufgabestellung in der Ausschreibung so formuliert, dass sich der Umsetzungsaufwand im Rahmen hielt.

C. Wie läuft eine Jurierung ab?

Als Erstes gilt es bei einer Jurierung, die eingereichten Projekte zu verstehen: Was ist das Ziel der Projekte? Wo wurden die Schwerpunkte gesetzt? Erst dann lassen sich die Arbeiten kritisieren. Zweitens wird eruiert, welchen Projekten der Gestaltungsvorschlag nicht geglückt ist. In einem dritten Schritt werden ähnliche Projekte verglichen und das jeweils Interessanteste daraus für die nächste Wettbewerbsrunde weitergezogen. Im Diskurs entwickelt die Jury einen Konsens darüber, welcher Gestaltungsansatz funktioniert und welcher nicht. Aspekte wie die Werthaltungen oder das Schönheitsempfinden sind subjektiv geprägt, auch bei Architekten.

D. Welche Kriterien waren für den Vergleich der Arbeiten entscheidend?

Das Hauptkriterium war, wie stark die Projekte den Anliegen aus dem öffentlichen Mitwirkungsverfahren Rechnung tragen. Weiter interessierte uns, ob längerfristige Fragen beantwortet werden. So ist noch nicht klar, was mit der Verkehrsplanung oder dem Bahnhofplatz geschieht. Hier sollten die Projekte flexible Anknüpfungsmöglichkeiten bieten. Zudem sollte der neue Platz vielfältig genützt werden können – für Chilbis, Märkte, etc. Er sollte aber auch als öffentlicher Platz im Alltag funktionieren und attraktiv sein, so dass die Küsnachterinnen und Küsnachter Lust verspüren, sich auf dem Platz aufzuhalten und den Platz zu begehen.

E. Weshalb haben es die ausgewählten zehn Projekte in die nächste Runde geschafft?

Diese Wettbewerbsarbeiten haben unterschiedliche Lösungsansätze und die feinfühligste Umsetzung gewählt. So haben diese Projekte bereits in der ersten Phase einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Planung des Projekts „Zentrumsentwicklung“ geleistet und werden dies auch im weiteren Wettbewerbsverlauf tun.

F. Was erachten Sie als die besondere Herausforderung bei der Zentrumsentwicklung in Küsnacht?

Die Herausforderung liegt weniger in der konkreten Erarbeitung von Gestaltungvorschlägen, als darin, ein Projekt zu finden, das von allen Küsnachterinnen und Küsnachter getragen wird. Ein Projekt hat nur dann Chance realisiert zu werden, wenn es die Interessen und Anliegen verschiedener Anspruchsgruppen vereint.

G. Haben Sie bereits einen persönlichen Favoriten unter den Projekten?

Nein, wir von der Fachjury sind darin ausgebildet, keine spezifischen Favoriten zu haben. Der Prozess darf nicht vorab entschieden werden, sondern muss allen Projekten bis zum Schluss die gleichen Chancen geben, gewählt zu werden.

H. Was interessiert Sie besonders an diesem Projekt? Was ist Ihr persönlicher Bezug zu Küsnacht?

Die Anfrage für die Teilnahme am Projekt „Zentrumsentwicklung“ als Fachpreisrichter und Jury-Vorsitz kam über ein vorgängiges Projekt zustande, in welchem ich Küsnacht bereits näher kennengelernt habe. Unabhängig davon finde ich es äusserst spannend, verschiedenen Aufgabestellungen in urbanen Umgebungen zu begleiten. Auch fasziniert mich das Psychogramm von Seegemeinden – sie funktionieren ganz anders als beispielsweise Städte.

Meine persönliche Herausforderung sehe ich darin, dazu beizutragen, dass die Küsnachterinnen und Küsnachter eine gute Lösung für die Zentrumsgestaltung finden. Am Ende des Prozesses soll ein Projekt evaluiert werden, das auch wirklich Chancen hat, realisiert zu werden.

* Peter Ess ist Dipl. Architekt FH/SIA, Fachpreisrichter und Moderator der Jury für den Projektwettbewerb "Zentrumsentwicklung Küsnacht"