Interview Max Baumgartner

Die gewünschte Visitenkarte für eine zukunftsorientierte Gemeinde und ein Mehrwert für die Küsnachter Bevölkerung“

Am 15. Mai 2012 wurde der zweistufige Wettbewerb entschieden. Das Siegerprojekt für die Neugestaltung des Areals Parkplatz Zürichstrasse und der Verbindung zum SBB-Areal ist gewählt. Die Jury hat aus den zehn Projekten der zweiten Stufe den Vorschlag „Schulze und Schultze“ der ARGE urbaNplus/raumbureau/schmid, Zürich, zum Sieger gekürt. Der Vorsitzende der Jury, Gemeinderat Mark Furger und der Gemeindepräsident Max Baumgartner erläutern im Interview, was sie vom Siegerprojekt halten, was daran besonders überzeugt und auf was bei der weiteren Ausarbeitung zu achten ist.
 

  1. Herr Baumgartner, was überzeugt Sie persönlich am Siegerprojekt am meisten?
    Max Baumgartner, Gemeindepräsident bis 2013MB: Das Siegerprojekt setzt die Anmerkungen und Wünsche der Küsnachterinnen und Küsnachter aus dem Mitwirkungsverfahren in idealer Weise um. Das geplante Projekt fügt sich mit einer Selbstverständlichkeit in die bestehende Gebäudestruktur ein, wirkt elegant, ohne pompös zu sein. Der Platz mit seinen Bäumen lädt zum Verweilen ein und kann für verschiedenste Anlässe benutzt werden. Durch die vorgesehenen Bäume wird mit dem neuen Areal auch der Nachhaltigkeit Rechnung getragen. Dies lässt sich bei anderen Projekten nur schwer finden. Egal wie sich Küsnacht in den nächsten zwanzig, dreissig Jahren entwickeln wird, der Platz mit seinen Bäumen wird einen sicheren Wert in Küsnacht darstellen. Insgesamt überzeugt mich das Siegerprojekt auf allen Ebenen. Es ist die gewünschte Visitenkarte einer fortschrittlichen und zukunftsorientierten Gemeinde. Das ganze Gebiet um den Bahnhof wird mit der Neugestaltung aufgewertet. Nicht umsonst zählte das Siegerprojekt von Anfang an zu meinen Favoriten.

  2. Herr Furger, warum hat sich das gewählte Projekt aus Ihrer Sicht gegen die anderen Projekte durchgesetzt und die Jury am meisten überzeugt?
    MF: Das Siegerprojekt bietet eine sehr durchdachte Lösung. Die Architekten haben sich offensichtlich mit den Wünschen der Bevölkerung aus dem Mitwirkungsverfahren und mit Küsnacht intensiv auseinandersetzt. Auch ortsbaulich haben mich die Überlegungen des Siegerteams überzeugt. Zudem schafft es das Projekt, die gewünschten Nutzungen mit wenig Bauvolumen zu realisieren. Dadurch öffnet sich der Platz zum See und es entsteht keine bauliche Barriere zum Bahnhofareal.

  3. Herr Furger, inwiefern wird Küsnacht, respektive jede Küsnachterin und jeder Küsnachter vom gewählten Projekt profitieren?
    MF: Die im Mitwirkungsverfahren verlangten Nutzungsmöglichkeiten werden mit dem neuen Projekt garantiert. Gleichzeitig lädt der Platz mit seinen Bäumen zum Verweilen ein. Anlässe können problemlos durchgeführt werden und die Verbindungen zum Bahnhof und den Perrons werden attraktiv gestaltet. Detailhandel, ein einladendes Bistro, öffentliche Nutzungen wie Kultur- und Versammlungsraum, Familienzentrum, Bibliothek, Wohnungen, ein begrünter Platz und rund 200 Parkplätze in Bahnhofsnähe im Zentrum: Was will man mehr!

  4. Herr Baumgartner, gibt es auch kritische Punkte am Projekt, die die Architekten bei der weiteren Ausarbeitung verbessern sollten?
    MB: Obwohl - oder gerade weil - das Siegerprojekt auch eines meiner Favoriten war und die Jury das Projekt in den höchsten Tönen lobte, habe ich - als "Teufels-Advokat" - auch kritische Fragen gestellt. Wer bei der Jurierung war, weiss, dass ich dabei immer das "Bauchgefühl" zitiert habe. Tatsächlich konnte ich ja keine wirklichen negativen Punkte finden. Mir ging es dabei vor allem darum sicherzustellen, dass die Jury sich auch mit kritischen Fragen auseinandersetzt. Bei der weiteren Ausarbeitung sollte die Architektur insoweit noch verbessert werden, als sie auf mich noch zu kühl wirkt. Zumindest ist dies der Eindruck, den man anhand der vorhandenen Visualisierungen gewinnt. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass das Projekt das einzige war, das bei der Visualisierung (noch) nicht auf eine entsprechende Visualisierung der Nutzung achtete, sondern nur das Projekt alleine vorstellte. Ich bin aber sicher, dass es den Architekten gelingen wird, im Verlaufe der weiteren Vertiefung eine stimmige Architektur in das Projekt einzubringen.

  5. Herr Baumgartner, wie haben Sie den gesamten Auswahlprozess – d.h. den Prozess vom Mitwirkungsverfahren über Projektwettbewerb bis zur Wahl des Siegerprojekts – erlebt?
    MB: Sehr intensiv, spannend und überaus lehrreich. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement der Bevölkerung während des gesamten Mitwirkungsverfahrens. Aber auch den Fachjuroren gebührt mein Lob: Sie haben die Vorgaben aus dem Mitwirkungsverfahren nie aus den Augen verloren. Umso mehr freut es mich, dass mit dem Siegerprojekt das Projekt gewonnen hat, das die Vorgaben der Bevölkerung am besten umsetzt.

  6. Herr Furger, was sind die nächsten Schritte? Wie geht es weiter?
    MF: Alle Projekte werden am 6. Juni 2012 (18.30 – 21.00 Uhr) und 9. Juni 2012 (09.30 – 12.00 Uhr) in der Truppenunterkunft der Heslihalle ausgestellt. Am 29. Juni 2012, abends, wird das von der Jury ausgewählte Projekt näher vorgestellt und die Bevölkerung ist eingeladen, die Empfehlungen der Jury für die Weiterbearbeitung des Siegerprojekts zu kommentieren. Anmeldungen für diesen Abend nimmt die Abteilung Hochbau + Planung (zentrumsent-wicklung@kuesnacht.ch) bis am 8. Juni 2012 entgegen. Anschliessend werden die Steuerungsgruppe und der Gemeinderat darüber beraten, in welche Richtung das Siegerprojekt weiter bearbeitet werden soll. Das überarbeitete Projekt bildet dann die Grundlage für den Gestaltungsplan, über welchen voraussichtlich im nächsten Jahr die Stimmberechtigten zu-sammen mit einem Projektierungskredit abstimmen können. Dazwischen steht bekanntlich noch die Urnenabstimmung über die Verkehrslösung an.