Geschichte

Die ersten Besiedlungsspuren auf Küsnachter Boden stammen von Seeufersiedlungen aus der Jungsteinzeit (4500 bis 2300 v. Chr.) und wurden im Heslibacher «Hörnli» gefunden. Am Wulphügel, im Küsnachter Tobel, entdeckte man Überreste aus der späteren Bronzezeit (2300 bis 800 v. Chr.).

Die römische Epoche wird belegt durch einen grossen Gutshof auf der Allmend. Im lateinischen Namen dieses Hofes, «fundus Cossiniacus», liegt wahrscheinlich der Ursprung des heutigen Ortsnamens «Küsnacht». In der im 6./7. Jahrhundert n. Chr. erfolgten Landnahme durch die Alemannen schliff sich die Bezeichnung in «Chussenacho» ab und wurde in dieser Form erstmals 1188 in einer päpstlichen Urkunde schriftlich festgehalten. Das Küsnachter Wappen, ein über Eck gestelltes, quadratisches, goldenes Kissen auf rotem Grund, stammt wahrscheinlich von den Edlen in Küssnacht am Rigi, die ein solches Kissen in ihrem Wappen führten. Nachdem Adelsbeziehungen zwischen den beiden Orten nachweisbar sind, ist vielleicht auch das Küsnachter Wappen darauf zurückzuführen. Mit dem «Chüssi» im Gemeindewappen wollte man wohl etwas vom Klangbild des Ortsnamens festhalten.

Im Hochmittelalter (950 bis 1250 n.Chr.) wurden die Herrschaftsrechte von den Freiherren von Regensberg ausgeübt, die ihren Sitz auf der Burg Wulp, im Tobel, hatten. Ein geschichtlich bedeutender Abschnitt begann im 14. Jahrhundert, also im Spätmittelalter, als der Ritterorden der Johanniter ihren Verwaltungsbezirk, die Komturei Küsnacht, mit dem Ordenshaus bei der St. Georgskirche errichteten. Der letzte Komtur, Konrad Schmid, fiel als Weggefährte des Reformators Ulrich Zwingli 1531 in der Schlacht bei Kappel. Das «Amt Küsnacht» wurde fortan, bis zur französischen Revolution 1798, von der Stadt Zürich verwaltet.

Die liberalen Strömungen des 19. Jahrhunderts gaben Anlass zu einer Streitschrift, genannt «Küsnachter Memorial», die eine neue Kantonsverfassung mit gleichen Rechten für Stadt und Land forderte. Die liberale Gesinnung der Seegemeinden war mit ein Grund, warum 1832 das erste Lehrerseminar unter Thomas Scherr im Seehof (heute C.G. Jung-Institut) in Küsnacht eröffnet wurde und gegenwärtig als Kantonsschule Küsnacht noch immer mit der Gemeinde verwurzelt ist.

Die Geschichte der Gemeinde wurde jedoch nicht nur durch politische Ereignisse geprägt, sondern auch durch die Macht der Natur und die moderne Zivilisation. 1778 und 1878 wurde das Weinbauerndorf durch verheerende Überschwemmungen des Dorfbaches heimgesucht. Dabei waren auch mehrere Dutzend Tote zu beklagen. Mit dem Bau der Seestrasse und der rechtsufrigen Eisenbahnlinie im 19. Jahrhundert begann eine unaufhaltsame Entwicklung: Aus Küsnacht, der einst grössten Rebbaugemeinde des Kantons Zürich, entstand die wohlhabende Vorortsgemeinde der Stadt Zürich, wie wir sie heute kennen.

Literatur:
Jeannette Rüdisühli/Ingrid Stöckler/Alfred Egli/Christian Renfer:
«Küsnacht am Zürichsee»
Zu beziehen bei:
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK
Pavillonweg 2, 3012 Bern
Tel. 031 308 38 38
www.gsk.ch

Weitere Informationen zur Geschichte der Gemeinde:
Ortsmuseum Küsnacht
Tobelweg 1, 8700 Küsnacht
Tel. 044 910 59 70
www.ortsmuseum-kuesnacht.ch